Nachhaltige Unternehmensführung

Arbeitskreis in der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V.

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Wir können es schaffen, wenn wir wollen

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Gunda Röstel
Kaufmännische Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden GmbH


Warum ist Nachhaltigkeit gerade für die Stadtentwässerung Dresden GmbH von zentraler Bedeutung?

Ökologisches Handeln rechnet sich. Deshalb vertragen sich „ein grünes Herz“ und der nüchterne ökonomische Verstand sehr gut. Ich arbeite in einer Branche, die sich wie keine andere mit einem lebensspendenden natürlichen Gut – dem Wasser – befasst. Nachhaltige Unternehmenspolitik ist deshalb Grundphilosophie und gilt im Hinblick auf die Reinhaltung eines Gewässers wie der Elbe ebenso wie für den nachhaltigen und sparsamen Umgang mit finanziellen Mitteln im Zuge notwendiger Investitionen. Gerade bei diesem Thema stehen wir vor folgenden erheblichen Herausforderungen. Im Wasserwirtschaftsbereich sind die Anlagen mit langfristigen Lebensdauern und Abschreibungszeiträumen ausgelegt. Auf der einen Seite müssten wir aufgrund der sinkenden Verbrauchstendenzen einen Rückbau der Infrastruktur veranlassen. Auf der anderen Seite jedoch erfordern klimawandelbedingte Witterungsereignisse eigentlich das Gegenteil. Wir sind zu einem Spagat gezwungen. Mit Blick auf die Kosten gilt es hier, langfristige Prognosen mit möglichst flexiblen Instrumenten zu verknüpfen. Dies berührt selbstverständlich auch den Energiesektor, bei dem wir vor dem Hintergrund knapper werdenden konservativen Ressourcen und wachsender Nachfrage fest mit steigenden Energiekosten rechnen. Denn nicht nur unsere Kläranlage, sondern auch die zahlreichen Pumpstationen kosten uns jedes Jahr Millionenbeträge. Folgerichtig verfolgen wir mit unserer Energiepolitik ein Ziel: umweltverträgliche Unabhängigkeit, die sich rechnet.

Welche (positiven) Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, Verständnis bei unseren Bürgern dafür zu gewinnen, dass sauberes Trinkwasser und die Wiederaufbereitung unserer Abwässer keine umsonst zu habenden Güter sind. Vor wenigen Wochen haben wir den 100. Geburtstag der Kläranlage gemeinsam mit den Dresdner Bürgerinnen und Bürgern mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. 10.000 Besucher kamen, um sich voller Neugier die Anlagen zeigen und deren Funktionsweise erklären zu lassen. Ein schöner Tag, der zeigt, dass Menschen für eine greifbare Nachhaltigkeitsstrategie zu gewinnen sind.

Was ist Ihre Motivation, sich für Nachhaltigkeit zu engagieren?

Als grundständige Optimistin habe ich die Vision, dass auch meine Ururenkel einen gesunden, stabilen und lebenswerten Planeten vorfinden, der ihnen Gestaltungsspielräume lässt.

Was sind die zentralen Herausforderungen und wie können diese gelöst werden?

Die größte Herausforderung liegt bei uns Menschen selbst: Einvernehmen darüber herzustellen, dass wir alle unsere Lebens- und Produktionsweisen drastisch umstellen müssen. Die Devise muss lauten, mit deutlich weniger Ressourcenverbrauch, deutlich  mehr zu produzieren, um die steigenden Bedarfe zu decken und dies in einer möglichst Klima schonenden oder gar emissionsfreien Variante. Hauptfelder hierbei sind die Themen Energie, Wasser, Mobilität und Entsorgung. Heute haben wir kein globales Erkenntnisproblem. Woran es fehlt, ist umgehendes globales Handeln. Nachhaltigkeit bedeutet auch, Großes denken und im Kleinen zu beginnen.

Worauf warten wir eigentlich noch...?

Wie haben Sie es konkret geschafft, Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen zu verankern bzw. die oben angesprochenen Herausforderungen zu meistern?

Nachhaltige Unternehmenspolitik funktioniert nur, wenn sich alle Mitarbeiter damit identifizieren, mit viel Engagement dabei sind. Wir versuchen jedem Einzelnen gute Arbeitsbedingungen zu schaffen und damit Potenziale freizulassen. Wir kommunizieren in vielfältiger Weise unsere Unternehmensstrategie und nehmen die Vorschläge unserer Mitarbeiter zur Umsetzung gerne an. Mitdenken ist gewünscht! Nicht zuletzt gibt es aber auch ganz unmittelbar praktische Erfahrungen, die uns zum Handeln zwingen.

Mit Blick auf die Klimaveränderungen, die sich in Dresden inzwischen regelmäßig mit Hochwassern niederschlagen, sind wir gehalten, einerseits größtmöglichen Schutz zu bieten und andererseits die Kosten überschaubar zu halten. Regenüberlaufbecken, Hochwasserpumpwerke und vor allem die intelligente Nutzung des Kanalnetzes als Stauraum haben einen Vorsorgestatus ergeben, der sich sehen lassen kann. Und weil es dennoch keinen absoluten Schutz geben kann, arbeiten wir sehr eng mit der Wissenschaft, in diesem Falle mit der Technischen Universität Dresden, zusammen, um zu erforschen, auf welche Folgen wir uns einstellen bzw. wie wir unsere Strategie weiterentwickeln müssen, um auch in Zeiten klimatischer Veränderungen in unserem sensiblen Elbtal der Stadt Schutz zu bieten und dem Bürger nicht unnötige Kosten aufzubürden. Darüber hinaus ist unser Klimaschutzbeitrag mit der Vision einer energieautarken Kläranlage auf gutem Umsetzungskurs.

Mit unserer Photovoltaik-Anlage, der Turbine im Ablauf, der Wärmegewinnung aus dem Kanal plus unserer derzeit noch im Bau befindlichen Klärgasanlage können wir dann 2011 immerhin etwa 55 Prozent unseres eigenen Energiebedarfs aus regenerativen Energien decken. Dann sind wir mehr als doppelt so gut, wie die Bundesregierung in ihrer Zielsetzung für 2020 vorgegeben hat.

 
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