Nachhaltige Unternehmensführung

Arbeitskreis in der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V.

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Nachhaltigere Entscheidungspraxis

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Christopher Brandt

Stiftungsvorstand Climate Concept Foundation

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Sieht man Corporate Responsibility in erster Linie als ökologische Zielvorgabe, so sind die durch gesetzliche Rahmenbedingungen definierten Mindestanforderungen an Unternehmen global sehr unterschiedlich. Die erheblichen Differenzen der umweltrechtlichen Realitäten bedingen eine unterschiedliche Ausgangslage für eine ökologisch orientierte Nachhaltigkeitsstrategie. Diese liegt nämlich nicht bereits in der Einhaltung dieser Mindeststandards, sondern erst in der „freiwillige Übererfüllung“ dieser Kriterien.


Ein proaktives Management unternehmensspezifischer Umwelt-Risiken bindet Kapazitäten und kostet Geld, kann aber langfristig erhebliche Kosten sparen: das Deepwater Horizon Unglück führt die Konsequenzen eines lückenhaften Risikomanagements deutlich vor Augen! Eine nachhaltige Unternehmensstrategie erfordert unternehmerische Entscheidungen über langfristige Zeithorizonte. Kurzfristig ist es oft finanziell attraktiver, die Kosten des Risikomanagements zu minimieren. Risiken realisieren sich ja nicht unbedingt im Laufe der laufenden Amtszeit, zusätzliche Kosten hingegen reduzieren die Marge und damit den Bonus. Die inhärenten Risiken realisieren sich meist erst bei dauerhaft unzureichender Gefahrenkontrolle.


Die fehlende Abbildung umweltrelevanter Faktoren fordert ihren Tribut verstärkt, wenn ihre Auswirkungen einem Unternehmen nicht konkret zurechenbar sind. Die mit dem anthropogenen Klimawandel einhergehenden Schäden durch Extremwetterereignisse sind ein solches Beispiel. Solange Treibhausgasemissionen nicht begrenzt und kostenfrei sind, besteht kein Anlass zur Verringerung. Der Emittent läuft nicht Gefahr, schadensersatzpflichtig zu werden.


Das seit 2005 bestehende Europäische Emissionshandelssystem (EU ETS) überträgt den „soft factor“ CO2-Emission in kurzfristig relevante Finanzkennzahlen. Das  Emissionsmanagement wirkt sich unmittelbar auf den Unternehmenswert der Betreiber von CO2-emittierenden Anlagen aus. Die Gesamtmenge der im System verfügbaren CO2-Zertifikate bestimmt vereinfacht dargestellt die Emissionsmenge aller erfassten Anlagen. Anders als bei der Grenzwertfestlegung werden beim Emissionshandel Emissionsreduktionen dort umgesetzt, wo die Kosten am geringsten sind. Der CO2-Marktpreis beeinflusst unmittelbar die Produktionskosten der einbezogenen Anlagenbetreiber. Eine reduzierte CO2-Intensität von Produktionsprozessen führt zu Kosteneinsparungen und damit Wettbewerbsvorteilen. Ein ursprünglich kurzfristig irrelevanter Faktor ist damit plötzlich erfolgsmitbestimmend.


Die ökonomische Bewertung von Umweltbelastungen ist ein zukunftsweisender Weg, um die Nachhaltigkeitsbestrebungen der Wirtschaft zu unterstützen.

 
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