Nachhaltige Unternehmensführung

Arbeitskreis in der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V.

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Nachhaltige Entwicklung ist mehr als CSR

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Prof. Dr. Tobias Popović

Studienbereich Wirtschaft, Corporate Finance
Ethikbeauftragter, Nachhaltigkeitsbeauftragter
Hochschule für Technik Stuttgart

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Der vermeintliche Gegensatz von Gesellschaft, Ökologie und Ökonomie war meines Erachtens eigentlich nie einer: Auch mit ökologischen und gesellschaftlichen Ressourcen muss – im Sinne des griechischen Oikos (οἶκος) – „hausgehalten“ werden.

Durch Corporate Social Responsibility wird seit einiger Zeit versucht, nachhaltiges und gesellschaftlich verantwortliches Handeln in den Unternehmen zu verankern. Dem „Ehrbaren Kaufmann“ sind diese Grundsätze jedoch nicht fremd. Nicht zuletzt handeln viele Mittelständler bereits seit Generationen nachhaltig, ohne dies zwangsläufig so bezeichnet zu haben.

Zwischenzeitlich hat das Thema Nachhaltigkeit an den vermeintlich kühlen Kapitalmärkten bedeutend an Relevanz gewonnen. Die Volumina sog. Nachhaltiger Investments sind nach Angaben des Branchenverbands Eurosif zwischen 2002 und 2009 allein in Europa von ca. 300 Mrd. EUR auf ca. 5.000 Mrd. EUR – trotz Finanzkrise – gestiegen. Hieraus resultierend verlangen institutionelle Investoren in steigendem Maße von börsennotierten Aktiengesellschaften die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei strategischen Entscheidungen genauso wie im operativen „Doing“.

Über diesen Transmissionsmechanismus gewinnt Nachhaltigkeit in den drei Dimensionen Environment, Society, Governance auch in börsennotierte Gesellschaften Einfluss und schafft ein Korrektiv zu dem reinen, kurzfristorientierten Shareholder-Value-Streben, indem andere Systeme und Stakeholder ebenfalls berücksichtigt werden. Diese Entwicklung kann institutionell mittels eines Nachhaltigkeitskodexes wirksam flankiert werden.

Der Nachhaltigkeitsgedanke lässt sich auch auf das Thema Staatsverschuldung übertragen. Haben bisherige und aktuelle Generationen die ökologischen Ressourcen bislang auf Kosten zukünftiger Generationen strapaziert, so gilt dies angesichts der stark steigenden Staatsverschuldung in vielen entwickelten Volkswirtschaften möglicherweise auch für die finanziellen Ressourcen vieler Staaten. Mitunter schleichen sich Zweifel ein, ob Staaten in den letzten Jahrzehnten „ehrbar“ gehandelt haben. Im Sinne der Generationengerechtigkeit müssen die Staatsfinanzen – insbesondere angesichts des gravierenden demografischen Wandels – durch beherzte Reformen in den nächsten Jahren zügig auf eine tragfähige und damit nachhaltige Grundlage gestellt werden.

Bildungseinrichtungen, z.B. Kitas, Kindergärten, Schulen und Hochschulen, stehen in der Verantwortung, bei jungen Menschen als Multiplikatoren für das Thema Nachhaltigkeit zu wirken. Dies bedeutet, sie zur kritischen Reflektion anzuleiten und Ihnen zu verhelfen, den Nachhaltigkeitsgedanken zu verinnerlichen und danach zu handeln. An den baden-württembergischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) leistet das vom Referat für Technik- und Wissenschaftsethik koordinierte Netzwerk der Nachhaltigkeitsbeauftragten dazu einen Beitrag (http://www.rtwe.de/hne).

Nachhaltigkeit in seiner Reinform ließe sich möglicher Weise mit den Worten Albert Schweitzers als „Ehrfurcht vor dem Leben“ bezeichnen – eine wahrscheinlich im alltäglichen Handeln nie vollständig zu erreichende Richtschnur, aber umso mehr eine erstrebenswerte Maxime – angewendet auf das aktuelle und das zukünftige Leben auf unserem Planeten.

 
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