Nachhaltige Unternehmensführung

Arbeitskreis in der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V.

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Gut bedacht - Innovationskraft und Nachhaltigkeit des Mittelstands

Am Beispiel der DTB Dachtechnik Briel GmbH & Co. KG beschreibt die Wirtschaftsexpertin und DFB-Nachhaltigkeitsbeauftragte Dr. Alexandra Hildebrandt die Innovationskraft und Nachhaltigkeit des Mittelstands:

Vielfalt statt Einfalt

In Zeiten der Globalisierung ist das geografische Zentrum von Großkonzernen kaum noch auszumachen. Das Gegenteil davon findet sich vielerorts im Mittelstand, dem viel zitierten „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ und Motor für Innovation. Sie wird auch in Zukunft das prägende Thema in allen Branchen sein. Dabei wird der Innovationsbegriff zunehmend weiter gefasst: So setzen viele Geschäftsbereiche verstärkt auf einen strukturierten Ansatz, der sämtliche Kernprozesse wie Forschung und Entwicklung, aber auch Produktion und Einkauf umfasst. Darüber hinaus erfordert eine langfristige Wachstumsstrategie eine effiziente und nachhaltige Wertschöpfungskette.

Fernab von nostalgischer Unternehmerromantik finden sich im Mittelstand stabile Rahmenbedingungen für Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden und das Gemeindewesen. Alle wissen, dass sie aufeinander angewiesen sind – das macht sie auch in Krisenzeiten stark und widerstandsfähiger.

Am Beispiel des mittelständischen Unternehmens BRIEL, das vor fast 120 Jahren in Bad Laasphe als Handwerksunternehmen gegründet wurde, zeigt sich, dass sich Marken auch wandeln und mit der Zeit gehen müssen, weil sie sich sonst selbst überleben würden. Generationenwechsel sind nicht selten mit Konflikten verbunden, die aber auch wichtig sind, damit Neues entstehen kann: So erfolgte im Juli 1996 die Neugründung des Unternehmens in DTB DachTechnik Briel GmbH & Co. KG durch die Geschäftsführer Rainer Briel und Fred Nietzke, die auf die Entwicklung neuer innovativer Produkte setzten, die Chance nutzten, richtungsweisende Impulse zu setzen und damit die Zukunft des Unternehmens sicherten. Denn dynamische Marktveränderungen lassen die Anforderungen an Unternehmen immer schneller wachsen. Von „kreativer Entdeckung“ spricht der US-Ökonom Israel Kirzner und rückt den Begriff „alertness“ in den Fokus seines Unternehmerbegriffs. Übersetzt als Wachheit, Aufmerksamkeit oder „Findigkeit“ zeichnen sich  Unternehmer dadurch aus, dass sie brachliegende Geschäftsideen schneller erkennen als andere und gewinnbringend nutzen. Das spiegelt sich auch im Briel-Unternehmensslogan: „Findig für‘s Dach“.

BRIEL entwickelte sich vom Nischenproduktanbieter zum Anbieter von Dach-Systemteilen und steht für Qualität und Kompetenz fürs Dach, aber auch für ein nachhaltiges Produktportfolio. Zu den Kriterien gehören u.a. Material (Verbrauch, Langlebigkeit), Herstellung, Beschaffung, Energieverbrauch, Nutzung und Entsorgung. Vielen Produkten sieht man die Nachhaltigkeit nicht an, weil sie selbstverständlich ist und vom Fachhandel und Kunden erwartet wird (Qualität und Glaubwürdigkeit, geschultes Personal, kompetente Sortimentsdarstellung). Auch schnelle und einfache Montage ist für Briel sehr wichtig, denn ein Produkt setzt sich im Markt nur durch, wenn es einfach anzuwenden ist.

1998 wurde mit der Fertigung in Kelbra begonnen. Im Jahre 2000 erfolgte eine Erweiterung des Werkes. Das alte Unternehmen wurde 2002 gesellschaftsrechtlich von Rainer Briel (kaufmännische Geschäftsführung) und Fred Nietzke (technische Geschäftsführung) übernommen.

Seit dieser Zeit ist das Produktportfolio mit vielen eigenen Entwicklungen erheblich erweitert worden. 2008 kam es zur Schließung der Fertigung in Bad Laasphe. Die Mitarbeiter arbeiten heute in Kelbra. 2009 wurde das alte Firmengebäude abgerissen und die neue Firmenzentrale an dieser Stelle errichtet. Im gleichen Jahr wurde ein Werksleiter eingestellt. 2010 ist die erste Vertriebsgesellschaft gegründet worden, der weitere folgen sollen.

Ein Kernprodukt von BRIEL sind Windschutz-Ortgänge ('Laaspher-Bleche'), die seitlichen Abschlüsse der Dachhaut, die für einen funktionierenden und optisch idealen Dachabschluss am Ort bei Eindeckungen mit Dachsteinen oder –ziegeln sorgen und vor starken Windangriffen schützen. Die Vorteile dieser alternativen Art der Ortausbildung  liegen – neben der ansprechenden Optik und Funktionssicherheit – vor allem in der flexiblen Anwendbarkeit (Größen, Farben, Winkligkeit des Daches) und der Wirtschaftlichkeit, dennder Gesamtpreis ist deutlich günstiger als bei anderen Lösungen. Windschutzortgänge passen zu fast jedem Dachstein-und Dachziegeltyp. Sie passen auch bei erhöhter Unterkonstruktion und zeichnen sich durch hohe Korrosions- und Witterungsbeständigkeit aus. Farbliche Anpassungen an Eindeckung und Fassade sind möglich. Es werden dadurch die Baukosten für den Bauherrn erheblich reduziert und der Deckungsbeitrag bei Handel und Verarbeitern (mit denen BRIEL allerdings  keine Direktgeschäfte macht) erhöht. Die BRIEL-Spenglerschrauben sind die fachgerechte und optisch ideale Ergänzung für die Befestigung zu den Windschutz-Ortgängen von BRIEL. Sie sind in verschiedenen Größen erhältlich und individuell einsetzbar.

BRIEL fertigt in Kelbra (Sachsen-Anhalt). In Bad Laasphe (NRW) befinden sich die Zentrale und der Vertrieb sowie die Ideenschmiede. Die Unternehmensstrategie ist darauf ausgerichtet, hochwertige, sichere und nachhaltige Produkte zu fertigen und einen gleichbleibend hohen Qualitätsstandard zu garantieren sowie durch innovative und nicht alltägliche Serviceleistungen eine Unterscheidung zum Wettbewerb zu erreichen. Nachhaltigkeit ist für das Unternehmen kein Trend, sondern Tradition. Weitsichtige Entscheidungen und eine an ökologisch und sozial verantwortlichen Grundsätzen orientierte Unternehmensführung ist die Basis für langfristig gesichertes wirtschaftliches Wachstum von BRIEL.

Das Unternehmen steht für die viele kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland, die Krisen aus eigener Kraft überstehen und deren Führung und Mitarbeiter nicht von bloßen Bilanzkennziffern sprechen, sondern beseelt sind von dem, was sie tun. Kundenzufriedenheit, vertrauensvolle Partnerschaften, Kontinuität, Verlässlichkeit, Qualität und Engagement stehen hier im Mittelpunkt. „Kleinere und familiengeführte Unternehmen sind die eigentlichen Motoren unserer Wirtschaft. Hier spielt noch die Leidenschaft für Produkte, der Dienst am Kunden und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern eine bedeutende Rolle“, so die Geschäftsführer.

Kunden- und qualitätsorientiertes Verhalten heißt für alle Mitarbeiter: den Markt mit den Augen der Kunden sehen, auf ihre Wünsche eingehen, mit Leidenschaft arbeiten, ebenso geistreich wie zupackend. Für die Kunden bedeutet das konkret: weniger Reklamationen, emotionale Nähe zum Unternehmen und nachhaltige Sicherheit. Mehr und bessere Geschäfte für alle Beteiligtensteht hinter dem Unternehmenscredo „Gemeinsam Markt machen“.

Markenerfolg ist für BRIEL vor allem das ist, was dahinter steht: die Idee und Haltung, die Pflege des Markenprofils und die Produktkompetenz des Unternehmens. Eine authentische Marke macht ein Produkt nicht nur einzigartig - sie ist das „Dach“ der Gemeinsamkeit von Unternehmen und Kunden. Und sie steht für immaterielle Werte, die der Kunde erfüllt sehen möchte: Nachhaltigkeit als Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb, Sicherheit und funktionale Verlässlichkeit. Dabei ist der Name BRIEL Anker der Marke, Credo und Auftrag, Position und Ziel. Er spiegelt die Unternehmenskultur und –identität wieder. Das zeigt sich auch im einprägsamen Unternehmenslogo und dem sonnenhaften Gelb, das auf Optimismus als Lebenseinstellung, aber auch auf Licht und Energie verweist.

Die Menschen dieses werteorientierten Unternehmens haben sich zum Ziel gesetzt, den „Wärme“-Faktor im Geschäftsleben zu erhöhen. Dazu passt, was Beuys einmal gesagt hat: „Was nottut, ist Wärme“, und an anderer Stelle: „Der Begriff des Wärmehaften verbindet sich mit dem Begriff des gegenseitigen Zusammenarbeitens“. Das ist BRIEL.

„Der Name steht für persönliche und individuelle Beratung, Serviceorientierung, findige Lösungen, Innovation, solide Qualität, umfassende Kompetenz und freundlichen Service“, sagt Geschäftsführer Rainer Briel. Auch wenn er wie der oberbayerische Babykosthersteller Claus Hipp, Joop oder Jil Sander zu jenen Unternehmern gehört, die die Schablone für erfolgreiches Naming bieten, weil der eigene Name zugleich das Unternehmen „ist“, so verdankt sich der Firmenerfolg vor allem seinem bodenständigen Wesen. Er weiß, dass man als gute Führungskraft nicht laut sein muss, um gehört zu werden, und dass dort, wo Überlegenheit und Überheblichkeit zu Hause sind, es keine Augenhöhe gibt. Denn sie hat mit innerer Haltung zu tun, die auf Vertrauen, Ehrlichkeit, Respekt und Fairness beruht. Nachhaltige und gewachsene Marken schreien nicht, sondern vermitteln Ruhe und Gelassenheit. Diese Atmosphäre setzt sich im Ergebnis weiter fort: Produkte in hoher Qualität, hervorragender nicht alltäglicher Service, engagiertes Reklamationshandling und die Suche nach Kundenzufriedenheit.“ Die „Brielianer“ sagen von sich selbst, dass sie Menschen sind, die sich mit aufrichtiger Freude, Engagement und Vorbildfunktion für den weiteren Erfolg des Unternehmens einsetzen.

Langfristorientierung und die Reflektion unternehmerischer Entscheidungen (z.B. im Beirat des Unternehmens, das ebenfalls einen Kundenbeirat hat), die langfristige Unternehmensbindung der Mitarbeiter, die Förderung ihrer Eigeninitiative und flache Hierarchien machen BRIEL zu einem nachhaltigen Unternehmen. Dazu gehört auch diesoziale Verantwortung: „Unser Fokus liegt nicht auf finanztechnischen Kennziffern, vielmehr sind wir daran interessiert, möglichst zukunftsfähig zu produzieren und zu handeln. So meiden wir z.B. lange Transportwege und pflegen unsere enge Bindung zu Deutschland. Wir investieren zudem lieber hierzulande“, so die Geschäftsführer.

Kultur der Nachhaltigkeit

Die Unternehmenskultur von BRIEL basiert auf Wertschätzung und Wertevermittlung und schafft die Basis für nachhaltigen Erfolg, da sie die Loyalität hoch qualifizierter Mitarbeiter und langjähriger Kunden gegenüber dem Unternehmen festigt und sie an das Unternehmen bindet. „Bei uns trägt jeder einzelne Mitarbeiter mit seiner individuellen Persönlichkeit zur Unternehmenskultur bei, die uns einzigartig macht“, sagen Rainer Briel und Fred Nietzke. Ihre wichtigste Aufgabe sehen sie darin, die Werte und die Kultur des Unternehmens lebendig zu halten und sie zu pflegen. Denn wo jedoch eine auf Fairness beruhende Unternehmenskultur gepflegt wird, wo Mitarbeitende eigene Projekte einbringen können, wird auch der Blick „über den Tellerrand“ hinaus geschärft. Nur wenn Mitarbeiter zufrieden und ausgeglichen sind und auf ein vielfältiges Angebotsspektrum im Unternehmen zurückgreifen können, ist es möglich, das individuelle Potential zu entfalten.

Eine an ethischen Maßstäben orientierte gelebte Unternehmenskultur - die Gesamtheit von Normen, Wertvorstellungen und Denkhaltungen, die das Verhalten von Geschäftsführung und Mitarbeitern prägen – trägt dazu bei, unternehmerische Anpassungsprozesse konstruktiv und menschenfreundlich zu gestalten. Es ist ein Prozess, der nie zu Ende ist.

Zum zentralen Anliegen der Geschäftsführung von BRIEL gehört es deshalb, die Mitarbeiter darin zu unterstützen, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der sie und ihr Leistungsvermögen wertgeschätzt werden.

Unternehmenskultur ist eine Welt, in der Vertrauen im wahrsten Sinne des Wortes Geld wert ist. So ist statistisch erwiesen, dass sich ein Drittel des finanziellen Unternehmenserfolgs auf den Faktor Kultur zurückführen lässt. Sie ist das Aushängeschild von Unternehmen - und eines der wichtigsten Motive, die eine Firma insgesamt gesellschaftlich verantwortlich handeln lässt. Eine Unternehmenskulturbraucht sichtbare Zeichen – dazu gehören zum Beispiel Firmengebäude mit ihrer entsprechenden innovativen Architektur. Sie „ist ausgerichtet auf die geistigen und materiellen Bedürfnisse der Menschen. Sie hat viel mit Optimismus, Freude und einem Gefühl von Sicherheit zu tun. Sie versucht, zu bewirken, dass in einer nichtgeordneten Welt Ordnung herrscht, dass der Mensch zwischen vielen Privatheit hat und dass auf dem kleinsten Fleck Raum entstehen kann. Und dass an einem düsteren Tag Licht ist“. Diese Worte von Norman Foster gelten auch für die BRIEL-Firmenzentrale, die ein Gesamtkonzept aus moderner Architektur und energieeffizienter Technologie darstellt, aberauch ein Beispiel für Green Building ist (Einsatz modernster Heizungs-, Beleuchtungs-, Klima- und Kälteanlagen in Kombination mit bester Dämmung)[1].

Im Gewerbegebiet Stockwiese vermittelt das Gebäude Ruhe und Zurückhaltung. Die Beschränkung auf wenige nachhaltige Materialien verstärkt diesen Eindruck. Da BRIEL vorwiegend mit metallischen Materialien arbeitet, ist es ein Anliegen des Unternehmens, dass sich dies auch in der Fassade spiegelt, wo Corten-Stahl-Platten sichtbar umgesetzt wurden. Die orange-rot oxidierte Oberfläche der Bekleidung verleiht dem Gebäude bei Sonnenschein einen warmen matten Farbton. Der natürliche Verwitterungsprozess der Platten bildet auch deren Schutz.

Der Eingangsbereich ist keine Besucher-Schleuse, sondern ein Empfangsraum mit einer anregenden Atmosphäre. Im Foyer des Gebäudeswird ein Ensemble - bestehend aus einem großen Holztisch mit Bänken - sichtbar, das zugleich den Slogan „Gemeinsam Markt machen“ symbolisiert. Das große „Schaufenster“ zur Straße steht auch für Transparenz im übertragenen Sinne. Informelle Zonen, wie der Caféthresen im Obergeschoss, fördern die Kommunikation in entspannter Atmosphäre. Die zweigeschossige Halle ist so konzipiert, dass sie auch vielfältig genutzt werden kann. Sie dient als Ideenschmiede, um die Produkte der Firma „auszuprobieren“ und neue Produkte zu entwickeln. Dazu können Ausstellungen oder Seminare und Aufführungen stattfinden.

Die „Werkstattatmosphäre“ in der Halle wird unterstützt durch die Verwendung von Materialien (Sichtbetonwände und Industrieparkett), die mit der Zeit auch gut altern können. Die Fassadenoptiken und Materialkompositionen begeistern den Betrachter, weil Natur und Kultur hier auf einer Fläche vereinigt sind: Glas, Holz als wichtigster nachwachsender Rohstoff, Beton als fluides und kontinuierliches Material, das extreme Festigkeit und Formbarkeit auf einer Materialebene vereint. Beton bietet, ungeachtet seiner grauen Alltäglichkeit, scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten seiner Formgebung, die seine Verwendung ungeahnt vielseitig erscheinen lässt. Der Baustoff soll Kontrast schaffen und Assoziationen wecken zum natürlichen Lebensraum.

Oberlichter im Dach bilden die Zeit als wanderndes Sonnenlicht im Raum ab. Im angrenzenden Hof können Produkte unter realen Bedingungen getestet werden. In der Haustechnik findet die innovative Grundhaltung des Unternehmens ihre Umsetzung. Für die Wärmeerzeugung über die Fußbodenheizung wird eine Wärmepumpe nach neuestem Stand eingesetzt. Das Regenwasser wird auf dem eigenen Grundstück über eine Versickerungsanlage abgeführt.

„Dieses klare Bekenntnis zur Nachhaltigkeit unterstreicht auch die aktive Verantwortung eines Gewerbebetriebes und ist somit Teil der ganzheitlichen Denkweise und Außendarstellung der Firma Dachtechnik Briel“, so der Architekt Martin Schneider und Annette Hillebrandt, Professorin für Tektonik/Baukonstruktion: „In einer Architektur von formaler Zurückhaltung und großer Materialauthentizität finden wir Ausdruck für die verantwortungsvolle und innovative Firmenphilosophie unseres metallverarbeitenden Bauherren.“ Das Bauprojekt ist angemeldet für das DGNB-Label[2] für nachhaltiges Bauen in Bronze.

Undenkbares Denken: Erfolgsfaktor Kreativität

Unternehmen sind nur erfolgreich, wenn es sich auf kürzere Markt- und Produktzyklen, die Halbwertzeit von Wissen sowie veränderte Mitarbeiter und Kunden einstellt. Das erfordert schnelles und unbürokratisches Handeln. Es ist notwendig, spezifisch menschliche Potentiale wie Innovationskraft, Engagement, Flexibilität, Integrität, Kreativität sowie Verlässlichkeit der wechselseitigen Handlungs- und Verhaltenserwartungen immer wieder neu zu erschließen.

Ohne den Mut und die Weitsicht von Unternehmern, Querdenkern und Visionären wären viele Innovationen – im wörtlichen Sinn also unternehmerische Neuschöpfung - nicht entstanden. Sie bezieht sich nicht auf die „Erneuerung“ von Strukturen und organisatorischen Abläufen, sondern auf die Veränderung von Verhaltensweisen und Erkennen von (Kunden-)Bedürfnissen außerhalb des Gewohnten. Wo Unternehmen fast die gesamte Energie auf die Optimierung des Bestehenden verwenden, bleibt kaum Freiraum für Neues. Echte und nachhaltige Innovationen entstehen meistens außerhalb starrer Strukturen. Sie„dienen dazu, die Lücke zwischen Status quo und den Zielen zu schließen. Der erste Schritt besteht deshalb in der Ermittlung des Innovationsbedarfs. Doch Achtung: Es sollten nicht zu viele Ideen in den Produktentwicklungsprozess geleitet werden. Die Kapazitäten dazu reichen oft nicht aus. Wertvolle Zeit kann verloren gehen und zu viele – an sich interessante – Ideen werden dadurch vorzeitig ‚verbrannt‘. Dennoch sollte mit der Ideensammlung bereits begonnen werden, bevor ein Lückenproblem auftaucht. Wird sie als ein permanenter Prozess verstanden, können Schubladen-Ideen bei Bedarf schneller in marktfähige Produkte umgesetzt werden. Zum anderen können sich aus aktuellen Marktchancen auch Zielanpassungen nach oben ergeben, die zusätzliche Produktentwicklungen notwendig machen“[3], so Bert Martin Ohnemüller, der sich mit der Frage beschäftigt, wie sich neue Ideen, Produkte und Dienstleistungen nachhaltig vermarkten lassen.

BRIEL bietet mit seiner „Ideenschmiede“ eine nachhaltige Plattform für erfolgreiche Innovationen und Kreativität, also die schöpferische Fähigkeit, Neues zu erschaffen und Problemlösungen zu finden.Kreativität gehört zu den herausragenden Unternehmertugenden. Wenn sich Gesellschaften oder Unternehmen weiterentwickeln wollen, müssen sie diesen Schlüsselfaktoren für die Wettbewerbsfähigkeit in immer kürzer werdenden Marktzyklen entsprechende (Frei-)Räume geben, die noch nicht verbaut und verplant sind, um sich bewegen und entfalten zu können. Für eine positive Marktentwicklung ist daher stetige Innovation zwingend notwendig. Der Unterschied zur Kreativität, der Ideenfindung, ist jedoch die Prüfung dieser Ideen auf Marktfähigkeit und wirtschaftliche Relevanz, die ebenfalls in der BRIEL-Ideenschmiede stattfindet. dazu gehört für das Unternehmen allerdings auch, nicht jedem Trend hinterherzulaufen. „Uns geht es um die richtige Balance der Erneuerung durch konstruktives Ideenmanagement“, so die Geschäftsführer.

Innovationen werden auch gebraucht, um für die eigenen Zielgruppen interessant zu bleiben. Dafür sind Freiräume notwendig. Wo sie geschaffen werden, sagt der Journalist Wolf Lotter, ist man selbstständig (autonom): „Das ist keine Kleinigkeit, keine nette Zusatzausstattung für den Charakter, sondern eine unabdingbare Voraussetzung dafür, überhaupt Verantwortung zu tragen, an und für sich und in der Gesellschaft. Wer nicht selbstständig, also autonom zu handeln gelernt hat, bleibt im Leben einfach sitzen… Das Dumme an der Autonomie ist, dass sie Arbeit macht. Viele haben gelernt, sie zu vermeiden.“[4]  

Werden Kreativität und Innovationen als Gemeinschaftsleistung aller in einem Unternehmen beschäftigten Mitarbeiter behindert, so stirbt es über kurz oder lang. Beides kann nur dort entstehen, wo das Ausprobieren möglich ist - auch auf die Gefahr hin, dass Dinge nicht funktionieren. Dazubraucht es eine Unternehmenskultur, die Scheitern nicht als Versagen begreift, sondern als nachhaltigen Prozess. Das bedeutet auch, in Vorlage zu treten, und den Mitarbeitern einen Vertrauensvorschuss zu geben, also das Risiko einzugehen, dass alle Beteiligten auch Fehler machen.

Vielfach neigen Menschen dazu, Antworten für wertvoller zu halten als Fragen, denn Antworten führen direkt zu konkreten Aktionen, während Fragen bedeuten, weiter nachdenken zu müssen. Das ist oft unbequem. Doch wer denkt, wie er immer schon gedacht hat, wird auch erhalten, was er immer erhalten hat – dieselben alten Ideen. Neue Ideen, die gerade in der Auseinandersetzung mit fremden Anregungen entstehen,  also in einer gezielten Erweiterung ihrer Grenzen, gibt es nur durch neue Impulse, durch das Öffnen vonGestaltungsspielräumen außerhalb der üblichen Planungsprozesse eines Unternehmens und mit einem nach außen geöffneten Blick.

Die BRIEL-Ideenschmiede,mit der die Neuentwicklung von Produkten und Verfahren noch weiter verbessert werden soll, ist der übergeordnete Rahmen für die regelmäßige und professionelle Auseinandersetzung mit dem Thema Innovation, wobei die enge Vernetzung der Kompetenzen und der Mitarbeiter untereinander sowie eine gemeinsame Lösungsentwicklung im Vordergrund stehen. Denn die Erfolgstreiber der Zukunft sind: Vernetzung, Schnelligkeit, Kundenorientierung (Was habe ich zu bieten, und welchen Nutzen zieht der Kunde daraus, wie kann das Angebot seinen Wünschen angepasst werden?) und das Beherrschen von Schnittstellen. So finden in der BRIEL-IdeenschmiedeProduktschulungen, Informationsveranstaltungen und Verwendbarkeitstests statt. Langfristig kann das Unternehmen davon profitieren – ein solcher Ansatz hilft, Kosten zu senken, z.B. durch erhöhte Materialeffizienz, beschleunigt Reklamationen oder schafft neue Absatzmöglichkeiten für Produkte.

„Damit möchten wir den Prozess des aktiven Austauschs, insbesondere zu Beginn einer Produktentwicklung noch mehr stärken. Ein innovatives Unternehmen braucht eine Sammelstelle, an der die verschiedenen Vorstellungen und das vernetzte Denken aller Beteiligten zusammengetragen werden. Je mehr Einflüsse, insbesondere aus der Praxis, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, zu einer klugen Produktlösung zu gelangen, die vor allem den praktischen Anforderungen vor Ort gleichkommt“, so die Geschäftsführer Rainer Briel und Fred Nietzke. Die Entscheidungsprozesse der Produktwelt von BRIEL können hier aktiv beeinflusst werden: „Es besteht die Möglichkeit zu kreieren, zu diskutieren, zu hinterfragen und die eigenen Wünsche zu äußern, die anschließend geprüft, entwickelt und vermarktet werden sollen.“ Ein weiterer Vorteil sind auch die kurzen Entscheidungswege, die es erlauben, auf komplexe Herausforderungen schneller zu reagieren.

Das Beispiel BRIEL zeigt, dass Innovation, Wirtschaft und Markt von Menschen  gemacht werden, die ethische Werte vertreten und wissen, dass eine vorausschauende Unternehmensführung, die nicht auf kurzfristige Gewinnerzielung setzt, langfristig profitabel ist. Die Kosten nachhaltigen Wirtschaftens, zu dem auch die Ressource Kreativität gehört, sind Investitionen in die Zukunft und in die Akzeptanz, die ein Unternehmen in der Gesellschaft findet.

Dr. Alexandra Hildebrandt ist Wirtschaftsexpertin und DFB-Nachhaltigkeitsbeauftragte in der Kommission Nachhaltigkeit


[2]Mit dem Ziel, nachhaltiges und wirtschaftlich effizientes Bauen in Zukunft noch stärker zu fördern, riefen 2007 sechzehn Initiatoren unterschiedlicher Fachrichtungen der Bau- und Immobilienwirtschaft die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V (DGNB) ins Leben. Ziel ist die Etablierung eines ganzheitlichen Zertifizierungssystems für nachhaltige Bauwerke im In- und Ausland. Das DGNB Zertifikat zeichnet umweltschonende, wirtschaftlich effiziente und nutzerfreundliche Gebäude aus. Zur offiziellen Auftaktveranstaltung Anfang 2008 hatten sich schon 121 Organisationen der DGNB angeschlossen. Gegenwärtig zählt der Verein ca. 900 Mitglieder. Analog zu diesem Prozess entwickelt die DGNB konsequent ihr Zertifizierungssystem weiter. Über 370 ehrenamtliche DGNB Mitglieder, Architekten, Investoren, Projektentwickler, Wissenschaftler, Bauunternehmer und andere Spezialisten aus der Bau- und Immobilienbranche, bauen in verschiedenen DGNB-Arbeitsgruppen das DGNB Zertifizierungssystem weiter aus. Seit Januar 2009 ist das DGNB Zertifikat auf dem Markt. Inzwischen wurden über 140 Gebäude sowohl im In- als auch im Ausland zertifiziert. Weitere Informationen: www.dgnb.de.

[3]Bert M. Ohnemüller, Klaus Winterling: Mehr Erfolg am Point of Sale. Von der Verkaufsförderung zum Thru-the-Line-Marketing. Frankfurt a. M. 2004, S. 80 f.

[4]Wolf Lotter: Grenzbereiche. In: brand eins 1 (2011), S. 49.

 
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